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Aus der Straße wird ein Aufenthaltsraum

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Aus der Straße wird ein Aufenthaltsraum

May 24, 2026

Die Grundidee des Planungsbüros bauchplan für die Südstadt.Klima.Meile ist die Kombination aus klimaaktiven Maßnahmen und intensiver Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger.

Was macht die Südstadt.Klima.Meile so besonders?

Die Klimameile ist insofern ein Vorreiter-Projekt, da sie einen Straßenraum in einen Aufenthaltsraum verwandeln will. In unseren Städten hätten wir zwar sehr oft die Möglichkeiten dazu, dennoch haben die wenigsten Kommunen den Mut, den Straßenraum für eine breite BürgerInnenschaft zurück zu erobern. Wir von bauchplan ).( sind jedoch überzeugt davon, dass der Straßenraum unsere große verbleibende Freiraumressource  in den Städten ist, der eine vielschichtige Nutzung und eine klimatische Funktion übernehmen muss.

Was sind die Herausforderungen?

Prinzipiell machen Veränderung den Menschen oft Angst. Es gilt also, die Veränderung mit den BürgerInnen gemeinsam zu denken, ihre Bedürfnisse zu verstehen und in den Raum zu übersetzen. Um Platz für unterschiedliche Nutzungen zu generieren, müssen Funktionen neu verteilt werden. Das bedeutet auch, dass Parkplätze, für die es in der Vergangenheit eine große Lobby gab, in Aufenthaltsflächen und Grünflächen umgewandelt werden.

Um eine möglichst große klimatische Wirksamkeit zu entfalten, werden wir versuchen, das gesamte Regenwasser an der Oberfläche versickern zu lassen, anstatt es in den Kanal zu schicken. So kommt es einerseits den Bäumen zugute, anderseits hat eine oberflächliche Verdunstung einen erhöhten Kühleffekt.  Hier gibt es noch einige technische sowie gesetzliche Hürden zu überwinden.

Wie begegnet ihr denen?

In Bezug auf die Nachbarschaft, suchen wir immer das Gespräch um Ängste und Gerüchte zu vermeiden. Die zahlreichen Stimmen die wir hier einholen, spiegeln auch sehr klar die Bedürfnisse wider. Bei der bisherigen Beteiligung etwa gab es zahlreiche Stimmen für viel Grün, Biodiversität und Aufenthalt und wenig Verständnis für die aktuelle Anzahl an Parkplätzen im Planungsgebiet.

Bei technischen Herausforderungen und gesetzlichen Regelungen muss man erfinderisch sein, um Innovation zuzulassen. Neue Lösungen werden durch starre Instrumente erschwert und viele Normen sind auf vergangene Ansprüche ausgelegt.

Kann man die Temperatur in der Stadt wirklich auf Dauer senken und wenn ja, mit welchen Mitteln?

Ja, Städte können ihre Durchschnittstemperatur messbar senken, vor allem lokal und besonders während Hitzeperioden. Um den klassischen Wärmeinseleffekt zu reduzieren, ist es notwendig, Asphalt und Beton, die tagsüber die Wärme speichern, und diese nachts langsam wieder abgeben, gegen verdunstungsoffene Flächen zu ersetzen. Weiters hilft der klassische Schatten enorm. Baumschatten einem „künstlichen“ Schatten vorzuziehen, da einerseits die Wärme nicht so schnell durch die Blattschichten dringt, anderseits die Transpiration (Wasserabgabe von Pflanzen, v.a. von Blattoberflächen) Verdunstungskälte erzeugt. Um den Pflanzen möglichst viel Wasser zur Verdunstung zur Verfügung zu stellen ist es notwendig, möglichst alles anfallende Oberflächenwasser für die Pflanzen verfügbar zu halten, das nennt man in der Fachsprache „Schwammstadt“. Weiters ist es wichtig, die vorhandenen Luftströme zu kennen, um Kaltluftschneisen entsprechend in die Planung miteinzubeziehen.

Warum ist es denn so wichtig für Euch, das Quartier gemeinsam mit der Bürgerschaft zu entwickeln?

Wir sehen die Klimameile als das Wohnzimmer jener BürgerInnen, die in der Nachbarschaft wohnen. Nur wenn wir ihre Bedürfnisse verstehen, können wir diesen Ort für sie nutzbar gestalten. Sie sind die ExpertInnen für ihr Wohnumfeld, ihr Input ist für uns unglaublich wertvoll. Die Kunst ist es, ihre Bedürfnisse in den Raum zu übertragen, und so einen zeitgemäßen Stadtraum anzubieten, der von den BürgerInnen selbstverständlich angenommen wird.

Und wie war die Bürgerbeteiligung? Kann man da Anregungen umsetzen?

Das Wichtigste ist, mit der Bevölkerung ins Gespräch zu kommen. Hier bieten wir verschiedene Beteiligungsformate an, die eine breite Bevölkerung erreichen, um mit den BürgerInnen gemeinsam die zukünftige Klimameile vor Ort aber auch am Modell und in altersgerecht zugeschnittenen Aktionen zu erarbeiten. Bei unserem Beteiligungsauftakt Ende April gab es Themenspaziergänge, Umfragen, gemeinsames Verorten von Bedürfnissen am Modell sowie ein spezielles Beteiligungsformat für Kinder, in dessen Rahmen sie aufgezeichnet haben, wie sie sich ihr Wohnumfeld vorstellen. Als Dankeschön bekam jedes Kind ein Eis im benachbarten Eissalon. Das Feedback übertraf bei Weitem unsere Erwartungen, mit den Ergebnissen können wir sehr fundiert weiterarbeiten.

Weiters gibt es ja die online-Plattform auf dieser Website, auf der man, sehr ähnlich der analogen Beteiligung, Anregungen, Sorgen, Ideen und Bedürfnisse verorten kann. Auch über diesen Weg bekommen wir eine breite Palette an Inputs, die sehr wertvoll sind.

Wie geht es jetzt weiter?

Wir sind dabei, Informationen die wir im Rahmen des Beteiligungsauftaktes gesammelt haben, zu sortieren und zu clustern, evtl. auch zu abstrahieren, um zu verstehen, was den BürgerInnen in welchem Rahmen wichtig erscheint, wo sie sich unwohl fühlen und wo sie zusätzliches Potential sehen. Diese Informationen sind ein weiterer Parameter für unsere Sozialraumanalyse, die, gemeinsam mit der Klimaanalyse die wichtigste Grundlage für unseren Entwurf darstellt. Wir überlagern die Sozialraumanalyse mit der Klimaanalyse, und wissen dann ganz genau, wo der dringendste Handlungsbedarf ist. Auf dieser Basis erstellen wir also einen Vorentwurf, den wir dann wiederum mit den BürgerInnen rücksprechen werden.