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Pflanzkonzept für ein besseres Klima

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Pflanzkonzept für ein besseres Klima

May 24, 2026

Agnes Hofmeister, Pflanzplanerin bei Sinai, hat das Pflanzkonzept für den Stadtgraben entwickelt.

Frau Hofmeister, was macht die Arbeit an den vier Oasen so besonders?

Agnes Hofmeister: Zwei Aspekte stehen für mich dabei im Mittelpunkt: die Schaffung stimmungsvoller, zukunftsfähiger Oasen – und der respektvolle Umgang mit dem Bestand.
Der Begriff „Oase“ ist bereits ein starkes Leitbild für die landschaftsarchitektonische Gestaltung. Er steht für Leben, Wohlbefinden und Regeneration – für Sehnsuchtsorte mitten in der Stadt. Die besondere Herausforderung in der Pflanzplanung liegt darin, die unterschiedlichen Atmosphären dieser Orte herauszuarbeiten. Besucherinnen und Besucher sollen in verschiedene Vegetationswelten eintauchen und dabei ganz intuitiv Assoziationen entwickeln. Manche Pflanzbilder entführen in beinahe traumhafte Szenerien, andere vermitteln bewusst Robustheit oder Kargheit.

Gleichzeitig bauen wir nicht alles neu, sondern arbeiten intensiv mit dem Vorhandenen: Bestandsbäume werden integriert, bestehende Wiesen durch Initialstauden aufgewertet und Boden wiederverwendet. So entsteht Nachhaltigkeit bereits im Planungsprozess. Oft erreichen wir eindrucksvolle Vegetationsbilder durch gestalterische Verdichtung. In einer Blumenwiese verwenden wir beispielsweise nicht alle Arten eines natürlichen Standorts, sondern wählen gezielt die charakteristischen Leitarten aus. Das schafft klare, prägnante Bilder mit hoher Wirkung.

Wie schaffen Sie es, so unterschiedliche Stimmungen und Pflanzbilder herzustellen?

Es ist ein wenig wie Geschichten erzählen. Es geht nicht um die bloße Addition von Pflanzen, sondern um das Entwickeln von Atmosphären oder Stimmungen. Jeder hat klare Bilder vor Augen, wenn er etwa an einen Kiefernwald oder einen Buchenwald denkt: Licht, Farben, Vegetation, Bodenleben – alles wirkt anders.

Vor jeder Planung sammeln wir daher in einer Art „Skizzenbuch“ Assoziationen und übersetzen diese anschließend in Gestaltung.  Stellen Sie sich einen lichten Kiefernwald vor: Der Boden ist sandig, Nadeln dämpfen die Schritte, das Licht fällt in warmen, flirrenden Streifen durch die Kronen. Die Vegetation ist zurückhaltend, fast minimalistisch – niedrige Gräser, Heidekraut. Wasser versickert schnell, es wirkt trocken und ruhig. In der Planung greifen wir genau diese Elemente auf: durchlässige Böden, reduzierte Pflanzenauswahl, feine Strukturen und viel Raum zwischen den Pflanzen. So entsteht eine Atmosphäre der Ruhe und Weite.

Im Gegensatz dazu steht das Bild eines schattigen Waldrandes: dichter Bewuchs, kühle Luft, üppiges Grün in vielen Schichten. Bäume und Sträucher bilden ein schützendes Dach, darunter wachsen Farne, großblättrige Stauden und Bodendecker. Das Licht ist weich und gefiltert, die Stimmung kühl und geborgen. Dieses Bild übersetzen wir in dicht gesetzte Gehölze, mehrschichtige Pflanzungen und großblättrige Strukturen, die Schatten, Feuchtigkeit und ein Gefühl von Geborgenheit erzeugen.

Durch solche bewusst verdichteten Naturbilder entstehen auf kleinem Raum klar erkennbare Atmosphären, die Besucher intuitiv wahrnehmen und emotional erleben können.

Gibt es da einen Tipp auch für private Gartenbesitzer ?

Meine wichtigste Inspirationsquelle ist die Natur selbst. Wer aufmerksam durch Landschaften geht, entdeckt, welche Pflanzen wo wachsen und wie sie miteinander harmonieren. Welche Arten beeindrucken besonders und welche dienen eher als Begleiter. Besonders wirkungsvoll ist es, Pflanzen nicht als Einzelstücke zu setzen, sondern in wiederkehrenden Gruppen einzusetzen. So entsteht ein roter Faden, der den Blick durch den Garten führt und sich nicht in der Vielfalt verliert.

Es wird ja nicht nur mehr Grün geben. Mit welchen Farben setzen Sie Akzente?

Farbe wird oft überschätzt. Wichtiger sind Blattstrukturen, Formen, Kontraste und der Winteraspekt. Vertikale, kerzenartige Stauden gliedern eine Pflanzung, während netzartig wachsende Stauden die Arten miteinander verbinden. Wenn Farbe bewusst eingesetzt wird, bevorzuge ich Zwischentöne – sie wirken ruhiger und harmonischer. In Nürnberg wird dies beispielsweise am Maxtor sichtbar, wo Staudenpflanzungen die rotbraune Herbstfärbung des Mammutbaums aufnehmen.

Was tun Sie, um die Biodiversität zu fördern? Welche Auswahl an Pflanzen treffen Sie da?

Die Pflanzplanung ist dabei nur ein Baustein innerhalb eines größeren Ganzen. Zunächst müssen geeignete Lebensräume entstehen – erst dann können Pflanzen- und Tierarten dauerhaft profitieren. Die Vielfalt der geplanten Vegetationsräume trägt entscheidend dazu bei, das Nahrungs- und Lebensraumangebot für unterschiedlichste Arten zu erweitern. Unterschiedliche Bodenverhältnisse, Lichtstimmungen und Feuchtegrade schaffen eine Vielzahl ökologischer Nischen.

Heimische Pflanzen spielen dabei eine zentrale Rolle, weil sie eng mit der heimischen Tierwelt verknüpft sind. Wo immer es sinnvoll ist, setzen wir daher auf ein möglichst großes Spektrum heimischer Arten – insbesondere bei der Anlage und Umwandlung von Wiesen, wo sich diese besonders gut etablieren lassen.

Gleichzeitig zeigt die Praxis immer deutlicher, dass nicht alle heimischen Arten den zukünftigen klimatischen Bedingungen standhalten werden. Höhere Temperaturen, längere Trockenperioden und Extremwetter stellen neue Anforderungen. Deshalb ergänzen wir das Pflanzenspektrum gezielt durch ausgewählte, nichtheimische Arten, die mit den veränderten Klimabedingungen gut zurechtkommen und gleichzeitig einen hohen ökologischen Nutzen bieten. Ein Beispiel ist der Japanische Schnurbaum: Er gilt als nicht invasiv, ist sehr hitze- und trockenheitsverträglich und blüht zu einem Zeitpunkt, an dem viele heimische Bäume bereits verblüht sind – eine wertvolle Nahrungsquelle für Insekten im Hochsommer. Unser Ziel ist also ein ausgewogener, zukunftsfähiger Mix, der sowohl ökologisch als auch klimatisch überzeugt.

Gewiss wählen Sie Bäume und Gehölze heute nach anderen Gesichtspunkten aus, als vor 20 Jahren.

Ja, sehr deutlich. Die Auswahl geeigneter Gehölze ist heute wesentlich komplexer und anspruchsvoller als noch vor einigen Jahren. Während früher ästhetische und standortbezogene Aspekte im Vordergrund standen, müssen Bäume heute eine Vielzahl zusätzlicher Anforderungen erfüllen: Sie sollen gesund und langlebig sein, mit Hitze und Trockenheit zurechtkommen, möglichst biodiversitätsfördernd, nicht invasiv und gleichzeitig in ihrer Größe und Wuchsform zum Standort passen. Je mehr Kriterien zusammenkommen, desto kleiner wird die Auswahl geeigneter Arten. Besonders bei heimischen Gehölzen zeigt sich zunehmend, dass sie mit den veränderten klimatischen Bedingungen nicht immer gut zurechtkommen. Das stellt Planerinnen und Planer vor große Herausforderungen.

Umso wichtiger wird das genaue Beobachten im Stadtraum: Welche Baumarten entwickeln sich trotz schwieriger Bedingungen gut? Welche zeigen Schäden oder Krankheiten? Welche Arten erweisen sich als zu dominant oder problematisch? Diese kontinuierliche Beobachtung fließt direkt in die Planung ein und hilft, langfristig tragfähige Entscheidungen zu treffen.

Das Klima in einer Stadt wie Nürnberg spielt doch sicher auch eine Rolle, richtig?

Das Stadtklima spielt eine zentrale Rolle und ist ein maßgeblicher Ausgangspunkt jeder Planung. Städte sind heute besonders stark von steigenden Temperaturen, trockeneren Sommern und häufigeren Extremwetterereignissen betroffen. Diese Entwicklungen erfordern ein grundlegendes Umdenken in der Freiraumgestaltung.

Gleichzeitig eröffnen sich daraus neue und spannende Aufgabenfelder für die Landschaftsarchitektur. Dach- und Fassadenbegrünungen bieten großes Potenzial, werden jedoch bislang noch viel zu selten umgesetzt. Ebenso wichtig ist die konsequente Entsiegelung von Flächen, um Regenwasser vor Ort versickern zu lassen und den natürlichen Wasserkreislauf zu stärken. Jede entsiegelte Fläche, jede neue Pflanzung trägt zur Kühlung der Stadt und zur Verbesserung des Mikroklimas bei. In diesen Themen steckt enormes Zukunftspotenzial – sowohl ökologisch als auch städtebaulich. Nürnberg ist mit den Projekten der Landesgartenschau auf einem sehr guten Weg, diese Chancen aktiv zu nutzen und die Stadt langfristig klimaresilienter zu gestalten.